Ende Oktober 1929 stand die Stadt Frankfurt im Brennpunkt der modernsten Architekturdebatte ihrer Zeit. Der
zweite der „Internationalen Kongresse für Neues Bauen“ (CIAM), ein Jahr zuvor unter der Federführung von
Le Corbusier ins Leben gerufen, hatte seine konkrete Arbeit aufgenommen: Frankfurt war das Ziel, weil hier
durch Stadtbaurat Ernst May ein konsequenter, alle Bereiche des Lebens und der Politik umfassender Plan
zum neuen Wohnungsbau realisiert wurde. Noch heute zeugen zahlreiche Siedlungen vom Wirken Mays.
Das Thema des Kongresses war bezeichnend für die damalige Politik Frankfurts wie der Weimarer Republik
insgesamt: „Die Wohnung für das Existenzminimum“. Damit stellt der Kongress eine entscheidende Etappe
des modernen Städtebaus dar, der schließlich auf dem 4. CIAM 1933 die „Charta von Athen“ formulierte, die
internationale Grundlage aller Planungen der Nachkriegszeit.
80 Jahre danach untersuchen Spezialisten – Architekturhistoriker und Architekten – die historischen Um-
stände von CIAM II und die Frage, wie das soziale Wohnen heute formuliert wird. Dabei geht es um die
innovative mediale Präsenz des Kongresses sowie um die damals formulierten, heute verwandelten Grund-
forderungen: Standardisierung versus Vielfalt, Bauprogramme und Bewohner, Technik versus Lifestyle.
Gestern und Heute vermögen sich gegenseitig zu spiegeln: dadurch wird Architekturgeschichte konkreter
verstehbar und Gegenwartsarchitektur bewußter erlebbar.
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Weitere Veranstaltungen in Frankfurt, die das Tagungsthema ergänzen, finden Sie hier.
Programm
Donnerstag, 22.10.2009
Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, Frankfurt am Main
17,30 Uhr: Eröffnung – Grußworte von Peter Cachola Schmal (Direktor Deutsches Architekturmuseum
Frankfurt am Main) und von Stadtrat Ulrich Caspar (Magistrat Stadt Frankfurt am Main)
Einführung durch Eckhard Herrel (Vorsitzender der ernst-may-gesellschaft e.v. Frankfurt am Main)
18 UHR: Sokratis Georgiadis (Stuttgart): Chiffren von Wissenschaftlichkeit – CIAM-Bilddiskurs
18,30 UHR: Thomas Elsaesser (Amsterdam): Die Stadt von morgen?
19 UHR: Filmvorführung „Die Stadt von morgen – Ein Film vom Städtebau“, Deutschland 1930, Regie
Maximilian von Goldbeck, Erich Kotzer, 33 Minuten
anschließend: Empfang in der Nassauischen Heimstätte GmbH, Schaumainkai 47, Frankfurt am Main
Freitag, 23.10.2009
Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Bockenheim, Jügelhaus, Mertonstraße 17, Hörsaal H
– gleichzeitig Filmlounge und Ausstellung –
9 UHR: Eröffnung – Grußworte des Präsidiums der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Einführung durch Ulf Kilian (Vorsitzender des Deutschen Werkbundes Hessen e.V.) und Christian Freigang
(Kunstgeschichtliches Institut der Goethe-Universität Frankfurt am Main)
9,30 UHR: Helen Barr, Ulrike May (Frankfurt am Main): Frankfurt 1929 – der Kongress tagt. Eine
Rekonstruktion des CIAM II
Kaffeepause
I. Typisierung und Vielfalt
10,30 UHR: Christoph Mohr (Frankfurt am Main): Typisierung im Wohnungsbau – Das Frankfurter Beispiel
11 UHR: Herman Hertzberger (Amsterdam): Pluralist Housing – Contemporary Projects (in englischer
Sprache)
Diskussion
Mittagspause
II. Wohnkonzepte gestern und heute
13,30 UHR: Christine Mengin (Paris): 1929: Welcher Standardgrundriss? Für welche soziale Klasse?
14 UHR: Alexander Reichel (Kassel): Urbane Siedlungskonzepte am Beispiel der Münchener
Werkbundsiedlung 2006
Diskussion
III. Gender and Space
14,50 UHR: Regina Göckede, Gabriele Grawe (Cottbus): Das Geschlecht des Neuen Bauens –
Genderrollen und geschlechtliche Kodifizierung im Diskurs des CIAM II
15,20 UHR: Thomas Jocher (Stuttgart): Grundriss im Wandel
Diskussion
Kaffeepause
IV. Ideologien des Wohnens
16,40 UHR: Christian Freigang (Frankfurt am Main): Mythos Wissenschaft im Kontext des CIAM II
17,10 UHR: Thorsten Bürklin (Frankfurt am Main): Lifestyle Wohnen
Diskussion
18 UHR: Ausblick – Dierk Hausmann (Stadtplanungsamt Frankfurt am Main): Das neue Wohnungs-
programm der Stadt Frankfurt am Main 2009 – 2013
Abschlussdiskussion
Samstag, 24.10.2009
Führungen durch Siedlungen des Neuen Bauens und zu aktuellen Projekten in Frankfurt am Main
Alternative Angebote am Vormittag (10 – 12,30 UHR):
1. Rote Siedlung, Nussbaumernte und Panoramalage im Frankfurter Osten
Siedlung Riederwald und Bornheimer Hang
(ÖPNV U7 / Treffpunkt: Haltestelle Schäffle-Straße)
2. Von der Konstruktion zur Dekonstruktion
Siedlung BruchfeldstraSSe (Zickzackhausen) und Goldstein
(ÖPNV Straßenbahn 15 / Treffpunkt: Haardtwaldplatz / Endhaltestelle)
3. Hauptsache exklusiv und elektrisch
Höhenblick und Römerstadt
(ÖPNV U1, Haltestelle Hügelstraße, anschließend Bus 39 Haltestelle Kurhessenstraße / Treffpunkt: Ecke
Kurhessenstraße / Höhenblick)
13 UHR: Mittagstreffen im WerkbundForum am Ernst-May-Platz, Inheidener Straße 2, Frankfurt-Bornheim und
im ernst-may-haus, Im Burgfeld 136, Frankfurt-Römerstadt
Alternative Angebote am Nachmittag (14 – 16,30 UHR)
4. Von Holland an den Main
Hellerhof und Westhafen
(ÖPNV Straßenbahn 11 oder 21 / Treffpunkt: Haltestelle Rebstöcker Straße)
5. Grüne Siedlung im Niddatal
Römerstadt
(ÖPNV U1 / Treffpunkt: Haltestelle Römerstadt)
6. Wie spart man Zeit und Geld
Praunheim und Westhausen
(ÖPNV U6, Bus 60 / Treffpunkt: Haltestelle Heerstraße)
17 UHR: Abschluss im ernst-may-haus, Im Burgfeld 136, Frankfurt-Römerstadt
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